The Great Firewall of China oder – 12 Tage in Shanghai #Part 1

Hallo ihr Lieben,

ja tatsächlich, ich verweile noch unter den Lebenden, auch wenn ein Blick auf das Datum des letzten Posts hier eher vom Gegenteil zeugt. Klar gäbe es zigtausend Ausreden dafür. „Wisst ihr, ich hatte einfach so wenig Zeit“ ist nur der kleine Bruder davon. Es lag nicht einmal daran, dass die Ideen ausgegangen wären, im Gegenteil. Keine Ahnung wie viele Beiträge ich angefangen- und dann wieder gelöscht habe ohne vorher auf den „Publizieren“-Button gedrückt zu haben.

Eine Schreibblockade ist wohl das meist gefürchtetste Phänomen unter Schreiberlingen schlechthin und dieses Mal hat es wohl mich erwischt. Kennst du das Gefühl, eine Idee zu haben und trotzdem tagelang keinen vernünftigen Anfang hinzubekommen? Auch die wenigen Beiträge die du zu Ende geschrieben hast wollen dir einfach nicht gefallen? Und dann dieser Druck etwas schreiben zu müssen. Deshalb ist es an der Zeit etwas Neues auszuprobieren!

Kannst du dich noch an meine Liste mit den 101 Dingen in 1001 Tagen erinnern? Vieles davon konnte bis jetzt natürlich noch nicht verwirklichen. Allerdings ist vor Kurzem einer meiner grössten Wünsche in Erfüllung gegangen:  Ich durfte nämlich für 12 Tage nach China, genau gesagt Shanghai. Genau davon möchte ich heute auch erzählen.

Man hat mir gesagt, „Je mehr du denkst über China zu wissen, desto grösser wird die Überraschung wenn du tatsächlich dort ankommst“. Als genau das hat es sich auch erwiesen. So gleich und trotzdem völlig anders als hier. Kurz, es hat mich einfach umgehauen.

Aussicht vom Oriental Pearl Tower

Dieses Bild zeigt die Aussicht auf dem Oriental Pearl Tower. Ehrlich gesagt bin ich kein grosser Fan von riesigen futuristischen Gebäuden. Andererseits ist es mehr als erstaunlich dass dieses ganze Gebiet vor 30 Jahren beinahe leer war! Die Aussicht ist einmalig, was man leider auch zu der Menschenmasse sagen muss. Nur glaube ich irgendwie dass das in Shanghai wohl alltäglich ist. (Achtung: Die Warteschlange ist lang und der Eintritt relativ teuer.)

Wenn man aber ganz gut hinsieht kann man noch Spuren der Vergangenheit entdecken. Vor allem aber kann man sehen wie die Menschen leben. Solche Orte sind aber selten nie in einem Reiseführer zu finden deshalb: Augen auf.

Jing An Temple und InnenhofDer buddhistische Jing An Tempel (静安寺) war nur 10 Minuten zu Fuss von meinem Hotel entfernt ist ein perfektes Beispiel für den riesigen Kontrast zwischen Alt und Neu.

Fremde in Sicht! Eigentlich könnte man ja annehmen, dass in einer Metropole mit 23 Millionen Einwohnern ein Ausländer mehr oder weniger nichts besonderes sein würde. Falsch gedacht. Plötzlich ist es keine Seltenheit mehr, dass sich ganze Schulklassen auf dich zukommen und um ein Foto mit ihnen bitten. Oder Chinesen, die sich auf der Rolltreppe demonstrativ vor dich stellen und darauf warten, bis ihr Bekannter das Handy hervorholt um den Augenblick bis ans Ende ihrer Tage unvergesslich zu machen. Das kann man nicht mehr überbieten sagst du? Ich sage doch! Und spätestens wenn dir fremde Frauen ihre Babys in die Arme drücken, natürlich nicht ohne eine Kamera in den Händen haltend, dann weißt du: Du bist in China angekommen. Im Übrigen stellt sich mir mittlerweile die Frage, wie indiskret man jemanden überhaupt anstarren kann?

Lebensmittelhändler

Abseits der Hauptstrassen wie der Nanjing Road (南京路 ) gibt es überall kleine Stände, die Waren wie Reis, Gemüse und ganz viele Früchte verkaufen. Obwohl Shanghai direkt am Ostchinesischen Meer liegt, suchen Fischliebhaber vergeblich nach frischem Fisch. Der Grund: Das Wasser ist so dreckig, dass alles importiert werden muss. So ist es auch nicht ratsam den Hafen zu besuchen, obschon er zu den Grössten der Welt zählt.
Eine Fahrt in der U-Bahn gefällig? Das darf man sich auch nicht entgehen lassen. Die Stationen sind immer in Englisch und Chinesisch angeschrieben, was die Sache ziemlich erleichtert. Wer sich aber brav hinten anstellt und wartet, bis er einsteigen kann sei gewarnt, hier gilt das Recht des Stärkeren. Übrigens: Anders als hier gibt es keine Bewegungsmelder die bewirken dass die Tür wieder aufgeht wenn man feststeckt, also ist etwas Eile beim Einsteigen nicht die schlechteste Idee 😉

Chinese contemporary ArtDas muss wohl der „chairman“ sein, wortwörtlich – Einblick in eine chinesische Akrobatikshow

Mein Freund das Taschentuch oder – immer der Nase nach: Anders als die beheizten Hightech-Toiletten die man aus Japan kennt sind öffentliche Sanitäranlagen in China allemal und wer kein All-inclusive Urlaub im Sternehotel gebucht hat wird früher oder später (wobei letzteres die bessere Option ist 😉 ) Bekanntschaft mit dem gefürchteten Stehklo machen. denn wie sich herausstellte macht dieses auch vor Großstädten wie Shanghai keinen Halt. Dabei ist es ratsam vorher die Hosentaschen zu leeren, es sei denn man hat Lust hinterher im Abfluss herumzuwühlen. Da die Abwasserrohre nicht dafür gebaut sind, WC-Papier zu spühlen, befindet sich neben jeder Toilette ein Abfalleimer. Wer 1+1 zusammenzählt kann sich jetzt ungefähr vorstellen welch wohltuender Geruch sich ausgebreitet hat. Noch häufiger aber gibt es überhaupt kein Papier und es ist auf alle Fälle ratsam, Taschentücher bei sich zu haben ;). Alles was Frau tun oder lassen sollte, wird in Tanjas Artikel „24 Survival Tipps für chinesische Damentoiletten“  ausführlich erläutert.

Alt und neuEiner von vielen Smoothie/Saftständen. Genauer gesagt in Madame Tussaud’s Shanghai.

Die Stadt der SchlafendenZhongshan Park, ein idealer Ort um der Grosstadthektik für einen Moment zu entkommen.

Schlafen kann man überall. Baustellenlärm, hupende Autos- und dann ist da dieses ohrenbetäubende Geräusch, das irgendwie an eine Alarmanlage erinnert. Was das wohl ist? Grillenzirpen jawohl. Trotzdem scheint es überraschenderweise niemanden zu stören. Überall sind schlafende Chinesen zu sehen. Auf Bänken, Liegestühlen, ja sogar auf Fahrradanhängern dösen sie vor sich hin. Ob es an der chinesischen Mentalität liegt? Oder doch eher an der brütenden Hitze, gepaart mit einer hohen Luftfeuchtigkeit? Das wird mir wohl immer ein Rätsel bleiben. Aber ich gebe zu, in manchen Situationen bin schon etwas neidisch auf diejenigen, die über diese Fähigkeit verfügen.

Sleeping Beauty

 

Wie gesagt, schlafen kann man überall 😉

Seitengasse in Shanghai

The Great Firewall of China, so wird das chinesische Zensursystem etwas scherzhaft genannt. Denn wie du vielleicht weisst sind in Festlandchina Internetdienste wie Google, inklusive Facebook, Youtube und co. nicht zugänglich. „Die angeforderte Seite kann nicht geladen werden“, wird man dann höflich dazu angehalten das zu suchen was an eigentlich wollte. Leider gehört WordPress seit einer Weile zu diesen gesperrten Seiten, was das Bloggen ausserordntlich kompliziert gestaltet.

Solche Situationen sind es, die mich nachdenklich machen. Meistens mit dem selben Ergebnis: Sie lassen mich so vieles schätzen, was vorher für mich selbstverständlich war. Und sei es jetzt freie Meinungsäusserung, oder etwas scheinbar so banales wie saubere Luft.

Skyline Shanghai by night

 

Mein Fazit: Shanghai ist eine faszinierende Stadt die für unendlich viele Überraschungen sorgt. Und wenn man sich die Zeit nimmt die Menschen kennenzulernen, dann wird man nicht enttäuscht.

Schönes „Sommerwetter“ und bis bald.

 

 

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3 Gedanken zu “The Great Firewall of China oder – 12 Tage in Shanghai #Part 1

  1. Wow! Ein absolut toller Artikel mit super Aufnahmen. Auch ich war vor sehr langer Zeit einmal in Shanghai, würde heute aber vermutlich nichts mehr wieder erkennen. Auf der einen Seite war ich fasziniert, auf der anderen Seite aber auch irgendwie enttäuscht, da mir die Mentalität in manchen Situationen schon zu schaffen machte.

    Das mit der Schreibblockade kenne ich übrigens nur zu gut. Manchmal hilft einfach nur, auf veröffentlichen zu drücken. Denn letztlich weiß man nie, ob ein Artikel, für den man lange getüpfelt und optimiert hat, Begeisterungsströme hervorruft oder nicht. Und irgendwie nimmt es auch den Druck, wenn man nach langer Pause endlich wieder einen Post geschrieben hat.

    Ich freue mich jetzt schon sehr auf weitere Berichte aus Shanghai – mit hoffentlich vielen Fotos. 🙂

    • Vielen Dank. Die Mentalität ist einfach völlig verschieden. Ich hatte das Glück, ein Teil meiner Zeit dort bei einer Gastfamilie zu verbringen und wurde unglaublich herzlich aufgenommen. Allerdings sind die Leute dort teilweise auch sehr aufdringlich und man kommt kaum zur Ruhe. Aber die Erfahrung ist mir das allemal wert.
      Das hast du nur zu Recht. Wenn da bloss nicht dieser Perfektionismus wäre ;). Aber letztendlich hilft nichts anderes als einfach zu veröffentlichen.
      Heute geht wieder ein weiterer Teil über Shanghai online, aber ich muss noch überlegen was ich mit den vielen Fotos mache, die ich gemacht habe.
      Hab noch einen schönen Dienstag.

  2. Pingback: Vegan in Shanghai #Part 2 | Vegalina

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